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Dendritische Zelle
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Dendritische Zellen (gr. dendrĂtÄs = âvon den BĂ€umen abstammend/verzweigtâ) sind Zellen des Immunsystems, die sich je nach Typ entweder aus Monozyten oder aus VorlĂ€ufern der B- und T-Zellen entwickeln. Es handelt sich also um teilweise nur entfernt verwandte Zelltypen, die aufgrund ihrer Funktionen unter dem Namen âdendritische Zellenâ zusammengefasst werden. Sie gehören zu den Phagozyten (Fresszellen).
Ihre Funktion ist die Antigenerkennung und AntigenprÀsentation vorher als fremdartig erkannter und intrazellulÀr aufgenommener Strukturen wie z. B. Mikroorganismen und deren Bestandteile. Dendritische Zellen sind als einzige Zellen in der Lage, so eine primÀre Immunantwort zu induzieren, indem sie naive T-Lymphozyten aktivieren. Alle anderen APCs (antigenprÀsentierende Zellen) sind lediglich imstande, Antigene aufzunehmen, zu vervielfÀltigen und zu prÀsentieren.
Durch AusschĂŒttung entsprechender Cytokine und Expression bestimmter ZelloberflĂ€chen-Rezeptoren beeinflussen dendritische Zellen T-Zellen und verstĂ€rken so die spezifische zellulĂ€re Immunabwehr. Der Bezeichnung dendritische Zellen entsprechend haben die 1973 erstmals von Ralph M. Steinman beschriebenen Zellen typische bĂ€umchenartige Cytoplasma-AuslĂ€ufer, die ihnen ihre typische sternförmige Gestalt verleihen.cite-ref-steinmann-1973-1-0[1] Mithilfe dieser AuslĂ€ufer können sie gröĂere FlĂ€chen effektiv nach Fremd-Antigenen absuchen. Im Jahr 2011 wurde Steinman fĂŒr diese Entdeckung der Nobelpreis fĂŒr Physiologie oder Medizin zugesprochen.
Schon 1868 berichtete Paul Langerhans von einer neuen, von ihm entdeckten Zellart, der spÀter nach ihm benannten Langerhans-Zelle. Er nahm allerdings fÀlschlicherweise an, dass es sich bei diesem epidermalen Zelltyp um eine Nervenzelle der Haut handelt.cite-ref-langerhans-1868-2-0[2]
Dendritische Zellen gehören zusammen mit den Monozyten, Makrophagen und B-Lymphozyten zu den so genannten âprofessionellenâ antigenprĂ€sentierenden Zellen des Immunsystems.
Neue Forschungen zeigen, dass dendritische Zellen in den lymphatischen Geweben nicht nur mit den T-Zellen interagieren, sondern auch mit den beiden anderen Hauptklassen der Lymphozyten, den B-Zellen und den natĂŒrlichen Killerzellen.cite-ref-lucas-2007-3-0[3]
Contents
âą Funktion
âą Formen
âą Einzelnachweise
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Lokalisation im Körper
Dendritische Zellen finden sich in groĂer Zahl in OberflĂ€chengeweben des Körpers, wie z. B. Haut, Pharynx (Rachen), oberer Anteil des Oesophagus (Speiseröhre), Vagina, Ă€uĂere Cervix uteri (GebĂ€rmutterhals) und Anus. Weiterhin sind sie sehr zahlreich in den inneren SchleimhĂ€uten, z. B. des respiratorischen und gastrointestinalen Systems vertreten.cite-ref-randolph-2005-4-0[4] Dendritische Zellen strecken dort ihre bĂ€umchenartigen AuslĂ€ufer durch die sogenannten Tight Junctions der die inneren und Ă€uĂeren OberflĂ€chen bedeckenden Epithelien, ohne dabei die Funktion der Deckgewebe als Diffusionsbarriere zu beeintrĂ€chtigen.cite-ref-rescicno-2001-5-0[5] Dies erweitert die Möglichkeiten der dendritischen Zellen zur Aufnahme z. B. bakterieller Antigene ĂŒber ihre direkte Umgebung hinaus, auch wenn momentan keine offene Infektion oder EntzĂŒndung vorliegt. Es wird angenommen, dass die dendritischen Zellen so eine DĂ€mmung der Reaktion des Immunsystems gegenĂŒber harmlosen Umgebungsantigenen bewirken und auf diese Weise eine ĂŒberschieĂende Immunantwort verhindert wird (siehe Abschnitt: Funktion).
Nach der endozytotischen Aufnahme von mikrobiellen, aber auch Umgebungs- und Selbstantigenen, verlassen die dendritischen Zellen die peripheren Gewebe in Richtung der drainierenden sekundĂ€ren lymphatischen Organe. Pathogene, die periphere Stellen befallen haben, werden von den dendritischen Zellen zum nĂ€chsten (Lymph-)stromabwĂ€rts gelegenen Lymphknoten transportiert; Antigene die ins Blut gelangt sind, werden dagegen in der Milz abgefangen, und solche, die SchleimhĂ€ute infiziert haben, werden in den Tonsillen (Mandeln) oder den Peyerschen Plaques gesammelt. Dieser als Zellmigration (Wanderung) bezeichnete Vorgang wird durch regulative Signalproteine (Chemokine) geleitetcite-ref-cyster-1999-6-0[6]cite-ref-randolph-2005-4-1[4] und kann durch Impfung verstĂ€rkt werden. In den lymphatischen Organen, den Orten wo ImmunitĂ€t und Selbsttoleranz initiiert werden, erzeugen dendritische Zellen durch kontinuierliche Bildungs- und RĂŒckbauprozesse ein Labyrinth-artig verschlungenes System. Dort, genauer im Parakortex der Lymphknoten (ihrer T-Zell-Region), prĂ€sentieren die dendritischen Zellen ihre Antigene den Zellen des Immunsystems und schĂŒtten darĂŒber hinaus stimulierende Faktoren aus. Beides ist notwendig, um eine angemessene Immunantwort durch die adĂ€quaten, d. h. Antigen-spezifischen T-Lymphozyten auszulösen.cite-ref-bousso-2003-7-0[7]cite-ref-shakhar-2005-8-0[8]cite-ref-speckmann-9-0[9]
Zusammenfassend lĂ€sst sich feststellen, dass in der Peripherie des Körpers lokalisierte dendritische Zellen Pathogene bzw. Antigene aufnehmen und verarbeiten. AnschlieĂend wandern sie unter Abgabe Lymphozyten-stimulierender MolekĂŒle in die entsprechenden lymphatischen Organe. Dort prĂ€sentieren sie die zu Peptiden verarbeiteten Antigene mittels ihres HaupthistokompatibilitĂ€tskomplexes (MHC-Klasse-II-Komplex), so dass diese von spezifischen T-Lymphozyten erkannt werden können. Durch die gleichzeitige AusschĂŒttung bestimmter Zytokine, aktivieren die dendritischen Zellen die Lymphozyten und lösen so schlieĂlich eine spezifische zellulĂ€re Immunantwort aus bzw. verstĂ€rken eine solche.cite-ref-banchereau-1998-10-0[10]
Morphologie und Reifung
Nur unreife dendritische Zellen der peripheren Gewebe haben die typische sternförmige Gestalt, die ihnen durch die langen (> 10 ”m) Cytoplasma-FortsĂ€tze (Dendriten) gegeben ist, die ausgehend vom Zellkörper in alle Raumrichtungen ausstrahlen können. Bei lebenden Zellen sind diese AuslĂ€ufer in stĂ€ndiger Bewegung, sie krĂŒmmen sich, werden zurĂŒckgezogen und an anderer Stelle wieder ausgefahren. Hierdurch sind die dendritischen Zellen optimal darauf eingestellt, eindringende Pathogene und Antigene abzufangen, weshalb sie auch als âWachposten des Immunsystemsâ (engl.: sentinel cells) bezeichnet werden.cite-ref-banchereau-1998-10-1[10] In diesem unreifen Stadium verfĂŒgen die Zellen darĂŒber hinaus ĂŒber eine groĂe Zahl endozytotischer Vesikel, die reich an anfĂ€rbbaren lysosomalen Proteinen sind. Dieser unreife PhĂ€notyp ist charakterisiert durch nur geringe Mengen an MHC-Proteinen und das vollstĂ€ndige Fehlen von kostimulatorischen B7-MolekĂŒlen.
WĂ€hrend der Migration in Richtung der sekundĂ€ren lymphatischen Organe, z. B. nach Antigenaufnahme im Rahmen einer Infektion, Ă€ndert sich die Morphologie der dendritischen Zellen: Die Dendriten weichen nun zahlreichen schleierartigen Membranfalten und -ausstĂŒlpungen, weshalb die Zellen ursprĂŒnglich auch âSchleierzellenâ (engl.: veil(ed) cells) genannt wurden.cite-ref-knight-1982-11-0[11]cite-ref-knight-1984-12-0[12] Gleichzeitig verlieren die Zellen die FĂ€higkeit zur Phagozytose und zur Verarbeitung von Antigenen.
In den Lymphknoten oder den anderen lymphatischen Zielorganen liegen sie schlieĂlich als reife dendritische Zellen vor. Als solche exprimieren sie groĂe Mengen von mit Peptiden beladenen MHC-Klasse-II-Komplexen, ebenso wie unterschiedliche ko-stimulierende MolekĂŒle, insbesondere B7. Beides ist notwendig, um eine Erkennung der verarbeiteten Antigene durch die T-Zellen und deren Aktivierung zu ermöglichen: WĂ€hrend die Peptid-MHC-Komplexe mit dem T-Zell-Rezeptor interagieren, sorgen B7-MolekĂŒle fĂŒr das notwendige zweite Signal, indem sie an CD28-Antigene auf den T-Zellen binden. Die reifen dendritischen Zellen sind so in der Lage, naive CD4+ und CD8+ T-Zellen mit groĂer Effizienz zu stimulieren.cite-ref-balakrishnan-1995-13-0[13]cite-ref-janeway-14-0[14]
FĂŒr die Aktivierung antigenspezifischer, naiver CD8+ T-Zellen, genĂŒgt der Kontakt zu antigenprĂ€sentierenden, reifen dendritischen Zellen. Um die Bildung von GedĂ€chtniszellencite-ref-15[15] sowie eine sekundĂ€re Expansion der CD8+ T-Zellen zu ermöglichen, mĂŒssen die dendritischen Zellen jedoch von CD4+ T-Helferzellen aktiviert worden sein. HierfĂŒr scheint eine gleichzeitige Interaktion aller drei Zelltypen (dendritische Zellen, CD4+ T-Helferzellen und CD8+ T-Zellen) zwingend notwendig zu sein um alle kostimulatorischen Signale zu ĂŒbermitteln.cite-ref-16[16]
Funktion
Vermittler von ImmunitÀt
Dendritische Zellen haben in ihrer Rolle als Vermittler der ImmunitĂ€t zwei zeitlich voneinander klar abgrenzbare SchlĂŒsselfunktionen: Als unreife Zellen sind sie fĂŒr die Aufnahme und Verarbeitung von Antigenen zustĂ€ndig. Nur einen bis wenige Tage spĂ€ter sorgen sie dann als reife Zellen fĂŒr die Stimulierung hauptsĂ€chlich von T-, aber auch B-Zellen, indem sie diesen groĂe Mengen des verarbeiteten Antigens in Form von MHC-Peptid-Komplexen, zusammen mit ko-stimulierenden MolekĂŒlen, an ihrer OberflĂ€che prĂ€sentieren. Gleichsam als Wachposten und Alarmgeber des Immunsystems ĂŒben sie somit eine ĂŒbergeordnete Kontrollfunktion ĂŒber die eigentlichen Akteure der zellulĂ€ren Immunantwort aus. Hierbei ist nur eine dendritische Zelle notwendig, um 100 bis 3000 Antigen-spezifische T-Zellen zu aktivieren. Sie sind somit deutlich effizienter als andere antigenprĂ€sentierenden Zellen, was auch darauf zurĂŒckzufĂŒhren ist, dass sie 10- bis 100-fach mehr MHC-Peptid-Komplexe an ihrer OberflĂ€che prĂ€sentieren als z. B. Monozyten oder B-Zellen.cite-ref-banchereau-1998-10-2[10]
Vermittler von Toleranz
Auch bei der Vermeidung von Autoimmunreaktionen kommt den dendritischen Zellen eine SchlĂŒsselrolle zu, indem sie fĂŒr immunologische Toleranz gegenĂŒber Selbstantigenen sorgen. Als immunologische WĂ€chter sammeln sie unablĂ€ssig Antigene ein. Wenn gerade keine Infektion oder EntzĂŒndung im Körper vorliegt, handelt es sich hier hauptsĂ€chlich um Proteine aus körpereigenen Zellen, die im Rahmen physiologischer Zellumbauprozesse (engl.: turnover) absterben. Solche apoptotischen Zellen sind eine stetige und zufĂ€llige Quelle fĂŒr Selbstantigene und somit kritisch fĂŒr die Aufrechterhaltung der Selbsttoleranz. Dendritische Zellen, die solche körpereigenen Antigene aufgenommen haben, wandern ebenfalls in die sekundĂ€ren lymphatischen Organe und erlangen dort die FĂ€higkeit T-Zellen zu stimulieren. AbhĂ€ngig vom Differenzierungstadium der Zellen, resultiert diese Art der Stimulierung aber nicht in einer (Auto-)Immunreaktion, sondern in (1) Apoptose, (2) Anergie oder (3) in der Entwicklung regulatorischer T-Zellen. Jeder dieser Mechanismen trĂ€gt dazu bei selbstreaktive T-Zellen aus dem Pool der peripheren Lymphozyten zu eliminieren.cite-ref-tan-2005-17-0[17]
Formen
Langerhans-Zellen
Langerhans-Zellen finden sich in der Epidermis der Haut (vor allem im Stratum spinosum) und in SchleimhĂ€uten und wurden nach ihrem Entdecker Paul Langerhans benannt. Menschen verfĂŒgen ĂŒber rund 109 epidermale Langerhans-Zellen.cite-ref-banchereau-1998-10-3[10] Sie sind nicht zu verwechseln mit den Langerhans-Inseln (welche sich im Pankreas befinden) oder den Langhans-Riesenzellen (die bei granulomatösen Erkrankungen verschiedener Ursache nachweisbar sind). Langerhans-Zellen entstehen aus Monozyten nach Stimulation mit G-CSF oder GM-CSF und tragen die OberflĂ€chenmarker Gr-1 (synonym Ly-6G/Ly-6C) und Ă€hneln in Morphologie und Funktion den Makrophagen. Es handelt sich um noch inaktive dendritische Zellen. Die Aktivierung und Differenzierung zu reifen dendritischen Zellen erfolgt erst nach Kontakt mit dem Antigen. Nach der Aufnahme von Antigenen ĂŒber Phagozytose wandern sie in die regionĂ€ren Lymphknoten. Dendritische Zellen prĂ€sentieren Antigene, vor allem den T-Lymphozyten. Charakteristisch fĂŒr dendritische Zellen ist der Nachweis von sogenannter Birbeck-Granula in der Elektronenmikroskopie. Dabei handelt es sich um TennisschlĂ€ger-förmige Zytoplasmaformationen mit zum Teil pentalaminĂ€rem Aufbau im Bereich des Stiels. Histologisch zeigen dendritische Zellen einen typisch eingekerbten Kern und ein sehr dunkles Cytoplasma. Langerhans-Zellen exprimieren Langerin, mit dem HIV-Partikel gebunden werden können.
Interdigitierende dendritische Zellen
Die interdigitierenden dendritischen Zellen stammen aus dem Knochenmark. Man findet sie im gesamten Körper, v. a. jedoch in den T-Zell-Regionen der Lymphknoten, in der periarteriolĂ€ren Lymphozyten-Scheide der Milz, im Thymus, den Tonsillen und den Peyer-Plaques. Die Plasmamembran ist ATPase positiv. Sie sind fĂŒr naive T-Zellen die wirkungsvollsten antigenprĂ€sentierenden Zellen und fĂŒr die PrĂ€sentation viraler Antigene besonders wichtig. Histologisch zeigen sie typische FĂ€ltelungen der Plasmamembran und einen bizarren Zellkern. Die interdigitierenden dendritischen Zellen zeigen im Elektronenmikroskop keine Birbeck-Granula. Verarbeitete Antigene werden ĂŒber MHC-II-MolekĂŒle den CD4-positiven T-Lymphozyten prĂ€sentiert. Die Freisetzung von Cytokinen durch die dendritischen Zellen fĂŒhrt zur Stimulation und Proliferation von T-Lymphozyten. Dieser Zelltyp besitzt auf der Plasmamembran die kostimulatorischen MolekĂŒle B7-1 und B7-2. Interdigitierende dendritische Zellen sind die potentesten Stimulatoren fĂŒr naive T-Lymphozyten. Reife, aber auch Antigen-prĂ€sentierende Zellen, zeigen keine Phagozytose-AktivitĂ€t mehr.
Interstitielle dendritische Zellen
Interstitielle dendritische Zellen sind myeloiden Ursprungs und wurden erstmals aus dem Zwischenraum (Interstitium) nicht-lymphoider Organe als Leukozyten mit hoher MHCII-Expression isoliert. Bisher wurden IDC in SĂ€ugetieren nachgewiesen, sie spielen eine Rolle in der Initiation der AbstoĂungsreaktion gegen allogene Transplantate.cite-ref-18[18]
Inflammatorische dendritische Zellen
Inflammatorische dendritische Zellen (inflDC) entstehen bei einer akuten EntzĂŒndung oder Infektion und bei chronisch-entzĂŒndlichen Erkrankungen. In gesundem, nicht-entzĂŒndetem Gewebe fehlen sie. InflDC entwickeln sich aus Monozyten, die aus dem Blut in das entzĂŒndete Gewebe einwandern und dort Eigenschaften von dendritischen Zellen annehmen. Zwei Merkmale charakterisieren sie eindeutig als DC und nicht als Makrophagen: InflDC wandern aus dem Gewebe in die drainierenden lymphatischen Organe, und sie prĂ€sentieren effizient Antigen und aktivieren so naive CD4- und CD8-T-Zellen.cite-ref-segura-2013-19-0[19]
Plasmazytoide dendritische Zellen
Plasmazytoide dendritische Zellen (pDC) sind ein relativ seltener Typ dendritischer Zellen im Blut und in den peripheren Lymphorganen. Sie exprimieren die OberflĂ€chenmarker CD123, CLEC4C und BDCA-4, jedoch weder CD11c noch CD14, welche respektive charakteristisch fĂŒr dendritische Zellen und Monozyten sind. Als Teil des angeborenen Immunsystems exprimieren sie die Toll-like Rezeptoren TLR-7 und TLR-9. Nach Aktivierung schĂŒtten pDC groĂe Mengen an Typ-I-Interferonen (IFN-α und IFN-ÎČ) aus. WĂ€hrend einer HIV- oder HCV-Infektion verringert sich die Anzahl zirkulierender pDC.
FollikulÀre dendritische Zellen
FollikulĂ€re dendritische Zellen (fDC) finden sich in PrimĂ€r- und SekundĂ€rfollikeln von Lymphfollikeln (z. B. in Lymphknoten, Peyer-Plaques, Milz). Sie zeigen eine starke und feine Verzweigung aus langen Dendriten und sind mit benachbarten Zellen ĂŒber Desmosomen und Gap-junction-Proteine verbunden. FollikulĂ€re dendritische Zellen sind nicht mit konventionellen dendritischen Zellen zu verwechseln, da sie nicht in der Lage sind, Antigene aufzunehmen, zu verarbeiten und ĂŒber MHCII zu prĂ€sentieren. DarĂŒber hinaus sind sie negativ fĂŒr Marker hĂ€matopoietischer Zelllinien. FollikulĂ€re dendritische Zellen sind langlebig, radioresistent und sind mesenchymalen Ursprungs. Charakteristisch fĂŒr follikulĂ€re dendritische Zellen ist die PrĂ€sentation von unverarbeitetem Antigen ĂŒber Antigen-Antikörper-Komplexen an Fc-Rezeptoren oder Komplement-Antigen-Komplexen am Komplement-Rezeptor CD21/35 (CR1/2). FollikulĂ€re dendritische Zellen sezernieren Zytokine, die wichtig fĂŒr die Homöostase, Aktivierung, Differenzierung und Proliferation von B-Lymphozyten sind.
Klinische Bedeutung
Dendritische Zellen können dazu benutzt werden, um gegen vorhandene Krebstumoren zu impfen. Dabei werden isolierte dendritische Zellen mit Tumorantigenen beladen, mittels Cytokinen stimuliert und dem Patienten zurĂŒckinfundiert. Die dendritischen Zellen sollen dem Immunsystem den bereits im Körper vorhandenen, aber meist vom Immunsystem nicht erkannten oder nicht bekĂ€mpften Tumor zeigen und damit die Immunabwehr auf den Tumor âhetzenâ.cite-ref-pmid17696825-20-0[20] Diese Krebsimpfung mit dendritischen Zellen, eine Form der Krebsimmuntherapie, beginnt sich als Therapieform langsam zu etablieren. Im April 2010 wurde erstmals in den USA eine derartige Vakzine zur Behandlung von Prostatakarzinomen von der Gesundheitsbehörde FDA zugelassen.cite-ref-21[21] Bis dahin wurden mehrere Studien mit insgesamt mehr als 4500 Patienten publiziert, die eine Behandlung mit dendritischen Zellen erhielten, der Löwenanteil davon in Europa und den USA.
Der GroĂteil der verwendeten dendritischen Zellen wurde aus patienteneigenen Monozyten als VorlĂ€uferzellen generiert (dies stellt das am hĂ€ufigsten verwendete Kultivierungsverfahren dar), seltener werden die Zellen aus proliferierenden CD34+ Zellen gezĂŒchtet oder direkt aus dem Blut (allerdings nur in sehr geringer Anzahl vorhanden) abgesammelt. Unter den bisher behandelten Patientengruppen ĂŒberwiegt das Melanom mit beinahe 1400 publizierten FĂ€llen, gefolgt von urologischen Tumoren (Prostata- und Nierenzellkarzinom) mit ca. 900 Patienten sowie Tumoren des Verdauungssystems, des Gehirns, der weiblichen Brust, Lungenkarzinomen wie auch hĂ€matologischen Erkrankungen.
Zur Beladung der dendritischen Zellen werden Tumorerkennungsbestandteile (Tumorantigene) auf die Zellen geladen, dies erfolgt entweder, indem man kurze EiweiĂsequenzen (Peptide) auf die Zellen lĂ€dt, oder die Information fĂŒr diese EiweiĂsequenzen in Form von RNA, DNA oder auch des ganzen EiweiĂes in die Zellen lĂ€dt. Auf diese Weise lĂ€sst sich sogar die maĂgeschneiderte Information eines patienteneigenen Tumors in die dendritischen Zellen ĂŒbertragen, indem man zum Beispiel die RNA aus einem Tumor extrahiert und diese Information in die dendritischen Zellen dieses Patienten legt.
Die Therapie mit dendritischen Zellen wurde bisher zumeist bei Patienten mit groĂer Tumorlast angewendet. Unter dieser Therapie kommt es auch zu RĂŒckbildungen von existierenden Tumoren. Deutlich hĂ€ufiger ist aber eine Stabilisierung der Erkrankung gefolgt von einer langsamen Umwandlung der Tumoren in narbenartiges Gewebe. Die Nebenwirkungen der Therapie Ă€uĂern sich zumeist als lokale Reaktionen an den Einstichstellen sowie als MĂŒdigkeit, manchmal gepaart mit Temperaturerhöhung. Diese Reaktionen zeigen ein Ansprechen auf die Vakzine an und werden als sogenannte Reactogenicity gewertet.
Langerhans-Zellen spielen unter anderem bei HypersensitivitĂ€tsreaktionen vom Typ IV (zellulĂ€r bedingte Immunreaktion vom verzögerten Typ) eine groĂe Rolle. Dies ist beispielsweise beim Kontaktekzem der Fall.
Die Rolle der Langerhans-Zellen bei der HIV-Infektion erfuhr durch eine Studie eine andere Wertung.cite-ref-22[22] WĂ€hrend bisher angenommen wurde, dass Langerhans-Zellen das Virus von den SchleimhĂ€uten des Genitaltraktes in die regionĂ€ren Lymphknoten tragen mit einer nachfolgenden Infektion von Lymphozyten und dem Voranschreiten der Infektion, sieht man diesen Umstand inzwischen differenzierter. Ăber das ErkennungsmolekĂŒl Langerin identifizieren die Langerhans-Zellen das HI-Virus und binden es an sich, platzieren es aber in einem spezifischen Zellbereich, wo es âentwaffnetâ und abgebaut wird.
Diese neuen Erkenntnisse des Forscherteams um T. Geijtenbeek stehen in Opposition zu der bisherigen Auffassung, wonach dendritische Zellen ein wichtiges Reservoir fĂŒr das HI-Virus darstellten. Letzteres Szenarium solle nach diesen Erkenntnissen nur eintreten, wenn hohe Virusmengen auftreten oder etwa Verletzungen vorliegen, die es den Viren ermöglichen, in nicht vom SchutzmolekĂŒl Langerin durchwirkte tiefere Hautschichten einzudringen.
VeterinÀrmedizin
Auch in der VeterinÀrmedizin wird die Therapie mit dendritischen Zellen angewendet. Das Behandlungskonzept basiert auf dem bereits bekannten Verfahren aus der Humanmedizin. Behandelt werden dabei in der Regel an Tumoren erkrankte Hunde, Katzen und Pferde. Aus einer Blutprobe werden die dendritischen Zellen kultiviert und in eine Injektionslösung (auch Vakzin genannt) gebracht. Das Vakzin wird dem Tier intradermal appliziert. Durch die Behandlung soll die körpereigene Immunantwort verbessert und damit eine BekÀmpfung von Tumorzellen durch die Immunzellen bewirkt werden. Die von den dendritischen Zellen aufgenommenen Antigene werden den T-Zellen prÀsentiert, sodass eine Reaktivierung der T-Zellen ausgelöst wird. Die Immunzellen beginnen somit die Zerstörung von entarteten Zellen.
Die dendritische Zelltherapie kann als Alleintherapie oder vor beziehungsweise nach der Chemo- oder Strahlentherapie als Begleittherapie angewendet werden. Dendritische Zellen werden typischerweise nach der chirurgischen Entfernung des Tumorgewebes eingesetzt und sollen zur BekÀmpfung von verbliebenen Tumorzellen oder zur Vorbeugung eines Rezidives dienen. Inoperable Tumoren können mithilfe dendritischer Zellen in ihrem Wachstum gehemmt werden.cite-ref-23[23]
WeiterfĂŒhrende Literatur
âą K. Palucka, J. Banchereau: Cancer immunotherapy via dendritic cells. In: Nature Reviews Cancer. Band 12, Nummer 4, April 2012, S. 265â277, ISSN 1474-1768. doi:10.1038/nrc3258. PMID 22437871. PMC 3433802 (freier Volltext). (Review).
âą K. Palucka, H. Ueno u. a.: Dendritic cells and immunity against cancer. In: Journal of Internal Medicine. Band 269, Nummer 1, Januar 2011, S. 64â73, ISSN 1365-2796. doi:10.1111/j.1365-2796.2010.02317.x. PMID 21158979. PMC 3023888 (freier Volltext). (Review).
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Einzelnachweise
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